Loading…
Zum Inhalt springen
ReJournal
← Alle Beiträge
Von ReJournal

Gegen den natürlichen Lauf des Vergessens: Die Wissenschaft hinter Gedächtnispflege und Journaling

In einem digitalen Zeitalter, das uns mit visuellem und informationellem Lärm überschüttet, fällt es uns schwerer denn je, uns zu erinnern, wie unsere Tage vergingen, was wir letzten Monat gefühlt haben oder was vor genau einem Jahr in unserem Leben geschah. Das Gedächtnis ist kein passiver Speicher, sondern ein dynamischer Mechanismus, der rasch verblasst, wenn er ungenutzt bleibt.

Was sagt die Wissenschaft also dazu, das Gedächtnis wach und den Kopf klar zu halten? Die Antwort liegt in einer weit einfacheren täglichen Gewohnheit, als man vermuten würde: den eigenen Tag festzuhalten.

Die Vergessenskurve von Ebbinghaus: Warum das Gehirn Erinnerungen löscht

Ende des 19. Jahrhunderts führte der Psychologe Hermann Ebbinghaus bahnbrechende Untersuchungen zur Funktionsweise des menschlichen Gedächtnisses durch. Seinen Ergebnissen zufolge – bekannt als Ebbinghaussche Vergessenskurve – sind rund 50 % neu gelernter oder erlebter Informationen schon nach der ersten Stunde vergessen, 70 % innerhalb der ersten 24 Stunden.

Um zu überleben und eine kognitive Überlastung zu vermeiden, filtert das Gehirn rasch alles heraus, was es für unwichtig hält. Wer aber tagsüber ein paar Sekunden innehält, ein Erlebnis betrachtet und festhält, sendet ein klares Signal: Dieser Moment zählt, behalte ihn.

Was Journaling mit dem Kopf macht

Journaling ist nicht bloß eine nostalgische Beschäftigung, sondern eine neurologisch und psychologisch fundierte Form der Selbstfürsorge.

Abrufübung. Sich am Abend zu fragen, was heute passiert ist, setzt die neuronalen Netzwerke in Gang. Das Abrufen von Informationen aus dem Gedächtnis stärkt synaptische Verbindungen und stützt die langfristige Erinnerung.

Weniger Stress, leichtere emotionale Last. Neurowissenschaftliche Studien an der UCLA zeigen, dass das Benennen und Ausdrücken von Gefühlen (Affect Labeling) die Aktivität in der Amygdala beruhigt, dem emotionalen Verarbeitungszentrum des Gehirns.

Metakognitive Bewusstheit. Wer seine Erlebnisse regelmäßig festhält, kann die eigenen Denkmuster und die eigene Entwicklung von außen betrachten, mit etwas Abstand.

Das Gedächtnis erhält sich nicht von selbst. Was es trägt, sind ein paar Sekunden Aufmerksamkeit am Tag.

Die Vergessenskurve und die Wissenschaft des Journalings — ReJournal